ChristianG schrieb:
Sicher gibt es da zutreffende Punkte, einiges in der Homöopathie ist nicht auf dem neusten Stand der Wissenschaft. Andererseits finde ich es bedenklich, Pauschalisierungen zu verwenden und von "den Homöopathen" zu sprechen.
Einiges nicht auf dem neuesten Stand?
Das ist ja nun eine heftige Untertreibung.
Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten 150 Jahre wurden den von der Homöopathie übernommen oder selbst gemacht?
Da fällt mir ehrlich gesagt kein einziges konkretes Beispiel ein.
ChristianG schrieb:
Meiner Meinung nach ist es auch nicht erforderlich, eine wissenschaftliche Begründung liefern zu können um positive Heilergebnisse zu erzielen.
Vollkommen richtig.
Solange die Heilergebnisse also solche belegt werden können muß man tatsächlich nicht unbedingt verstehen WIE die Heilung funktioniert.
Wenn man aber nicht nachweisen kann, OB eine Methode überhaupt eine Wirkung hat (über Placebo hinaus) dann wird es eben schon problematisch - und genau da hapert es ja bekanntermassen.
Davon abgesehen ist es natürlich zur Weiterentwicklung einer Methode meist sehr hilfreich, wenn man eine gute Theorie zur Wirkungsweise hat um die Methode zu optimieren.
All die "Theorien" die die Homöopathie bisher als Erklärungsversuche hervorgebracht hat haben seltsamer folgende Nachteile:
- sie bieten keinerlei Ansätze zur Verbesserung der Methode
- es gibt keine Chance zu prüfen, welcher von Ihnen besser mit der Realität übereinstimmt
- es gibt noch nicht mal einen Ansatz einer Chance die Richtigkeit zu prüfen
Das führt zu so absurden Resultaten, dass die Homöopathen bis heute darüber streiten ob Komplexmittel nun sinnvoll sind oder nicht.
Eigentlich sollte es ja kein Problem sein, das objektiv zu überprüfen aber aus unerfindlichen Gründen ist eine solche Prüfung scheinbar nicht möglich oder gewünscht ;-)
Stattdessen versucht manch einer (Ravi Roy z.B.) in Hahnemanns Aufzeichnung die "Wahrheit" zu Komplexmitteln zu finden. Das hat dann definitiv mehr mit Religion als mit Wissenschaft zu tun...
Also nochmal - weil das immer wieder durcheinandergebracht.
Eine Methode kann natürlich auch dann wirken (und zwar wissenschaftlich belegbar) wenn man den Wirkungsmechanismus NICHT kennt oder versteht.
Aber die Wirkung als solche muß schon belegbar sein, sonst ist das ganze nur Vodoo.
Warum sollten wir eigentlich auf Homöpathie setzen statt auf schamanische Regentanzbehandlung.
Letztere ist wesentlich älter und damit bewährter als die neumodische Homöopathie.
Auch Tieropfer haben sich jahrtausendelang bewährt und ihre Wirkung ist wissenschaftlich nicht widerlegbar.
Oder doch lieber Pendeln.
Oder sollte man letztlich doch mal ganz dezent nach den Heilungswahrscheinlichkeiten fragen?
Allerdings bekommt man bei Homöopathen dazu leider nie eine Auskunft sondern bestenfalls sogenannte "Anekdotenbeweise".
ChristianG schrieb:
Einverstanden! Da auch aus meiner Sicht derzeit keine gesicherte wissenschaftliche Grundlage für die Wirkungsweise der Homöopathie besteht, haben alle wissenschaftlichen Erklärungsversuche ein grundlegendes Problem. Es kann sich dabei nur um Ansätze handeln, jedoch um keinen wissenschaftlich haltbaren Beweis.
Und wieder muss man klar unterscheiden zwischen:
Nachweis der Wirkung
und
Nachweis der Wirkungsweise
Um die Wirkung einer Heilmethode nachzuweisen muß man nur einheitliche Kriterien dafür haben, ob eine Behandlung erfolgreich war oder nicht.
Man muss nicht verstehen, WIE die Behandlung funktioniert - man muss nur belegen können, DASS sie funktioniert
Und Homöopathie scheitert bereits daran, eine über Placebo hinausgehende Wirkung klar zu belegen.
Und solange ich eine Wirkung nicht belegen kann macht es wenig Sinn sich Gedanken über die Wirkungsweise zu machen.
ChristianG schrieb:
Daher kann mit Hilfe der Wissenschaft niemals ein Beweis der Unwirksamkeit geführt werden, dazu ist sie einfach noch viel zu lückenhaft.
Das hat nichts mit Lückenhaft zu tun sondern ist ein prinzipielles Problem in den Naturwissenschaften.
Man kann auch wissenschaftlich NICHT beweisen, dass es keine lebenden Einhörner oder eierlegende (Oster-)hasen gibt.
Beides könnte es durchaus geben und es wäre noch nicht mal im Widerspruch zu den vorliegenden Erkenntnissen der Biologie, Chemie oder Physik.
Dennoch ist es wohl nicht besonders sinnvoll nun "auf Verdacht" Einhorn-Forschung oder Osterhasen-Forschung zu betreiben oder gar Theorien über ihre Fortpflanzung aufzustellen, solange man ihre Existenz nicht belegt hat....
Die Tatsache, dass man ihre Nicht-Existenz nicht belegen kann ist offensichtlich kein vernünftiger Grund anzunehmen dass etwas "mangels Nachweis der Nichtexistenz" existent sein muss...
ChristianG schrieb:
Hier werden offensichtlich Äpfel und Birnen verglichen, der Vergleich mit den Lottozahlen entbehrt nicht einer gewissen Polemik.
Es geht in dem Vergleich nur darum, dass man zur Überprüfung ob jemand tatsächlich Lottozahlen vorhersagen kann in keinster Weise die Methode/Theorie/Wirkungsweise der Vorhersagemethode verstehen muß.
Das Ergebnis (Vorhersage richtig oder falsch) ist unabhängig davon überprüfbar.
Gleiches gilt auch für jede Heilmethode.
Um zu überprüfen, ob (bzw. wie gut) eine Heilmethode wirkt muss man nicht die Methode selbst verstehen sondern nur das Ergebnis beurteilen.
Wenn ich 100 Diabetiker "schulmedizinisch" z.B. mit Insulin behandle und 100 Diabetiker homöopathisch kann ich - auch ohne zu verstehen wie und ob Insulin bzw. Globulis wirken - überprüfen welche Methode die besseren Ergebnisse bringt.
ChristianG schrieb:
Wenn mann sich einmal vor Augen führt, wieviele Leute sich ernsthaft mit Homöopathie beschäftigen und wieviele Leute ernsthaft versuchen, die Lottozahlen verauszusehen, wird die Absurdität dieses Vergleichs sehr schnell deutlich.
Es gibt auch sehr viele Leute die sich ernsthaft mit Astrologie beschäftigen - beweist das die Gültigkeit von Horoskopen?
Es gibt auch viele Menschen die sich (zumindest aus ihrer Sicht) ernsthaft mit UFOs beschäftigen.
Ist das ein Beweis für die Existenz von UFOs?
Und es gibt jede Woche Millionen von Menschen, die versuchen die Lottozahlen "vorherzusagen" und gelegentlich schafft es sogar einer - ist das ein Nachweis dafür das manche Menschen doch in die Zukunft "sehen" können?
ChristianG schrieb:
Schade, denn eigentlich gibt es in dem Kommentar auch viele valide Argumente.
Danke
ChristianG schrieb:
Trotzdem denke ich dass die Wirksamkeit der Homöopathie eigentlich schon offensichtlich ist, wenn man einmal sich folgendes klar macht:
1. Mit homöopathischen Mitteln werden auch Kleinkinder und Tiere mit Erfolg behandelt, da ist der Plazebo Effekt offensichlich ausgeschlossen.
"Offensichtlich" ist immer gefährlich.
Die Menschen waren sich lange Zeit sicher, dass schwere Gegenstände "offensichtlich" schneller fallen als leichte - bis mal jemand auf die Idee kam das zu überprüfen.
Selbstverständlich gibt es auch einen Plazeboeffekt bei Kleinkindern.
Wenn Mutti sich intensiv um ein Kind kümmert und auf die Stelle pustet, die "Aua" macht dann "wirkt" das ja bekanntermassen auch.
Und natürlich bekommen auch Tiere etwas davon mit, wenn sich ihr Herrchen/Frauchen während einer Behandlung intensiver um sie kümmert...
ChristianG schrieb:
2. Seit vielen Jahrzehnten beschäftigen sich intelligente Leute (nicht nur Spinner ;-)) mit Homöopathie. Würden sie das tun, wenn Homöopathie gänzlich unwirksam wäre?
Im Mittelalter haben sich viele intelligente Menschen mit der Verbrennung von Hexen oder Juden zur Eindämmung von Seuchen beschäftigt. Also kann die Methode der Hexenverbrennung nicht gänzlich unwirksam gewesen sein...
ChristianG schrieb:
3. Es gibt durchaus auch Studien, in denen die Wirksamkeit der homöopathischen Mittel belegt wird, auch bei Tieren. (http://www.holisticonline.com/homeopathy/homeo_clinical.htm)
Ja natürlich gibt es solche Studien - das Problem ist immer, dass Studien prinzipbedingt mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit falsch positiv Resultate liefern.
Wenn ich zum Beispiel ein Experiment mache, ob es möglich ist das Wurfergebnis eines Würfels vorherzusagen, dann wird es rein zufällig manchmal gelingen einen oder sogar zwei selten auch drei aufeinanderfolgende Würfe vorherzusagen.
Aus diesem Grund gibt man bei Studien immer einen Signifikanz-Level an, der die Wahrscheinlichkeit nennt, dass eine Studie rein zufällig die behauptete These bestätigt.
In der Medizin ist das häufig 5% - d.h. jede 20. Studie liefert "rein zufällig" ein positives Ergebnis.
Je kleiner dabei die Versuchsgruppen sind desto größer ist die Gefahr für solche Effekte und viele Homöopathiestudien sind in diesem Sinne (und auch teilweise aus anderen methodischen Gründen) qualitativ schlecht.
Es ist also nicht überraschend, dass es auch Studien gibt welche die Wirkung von Homöopathie bestätigen.
Setzt man die Qualitätsansprüche an die Studie etwas höher an, z.B.
- mindestens 100 Teilnehmer in der Verum und in der Placebo-Gruppe
- Signifikanzlevel 1%
- Studie mindestens einmal unabhängig von anderen reproduziert
- Studie ist Peer reviewed.
dann bleibt meines Wissens KEINE EINZIGE homöopathische Doppelblindstudie übrig.
Ich lasse mich aber gerne eines besseren belehren
Warum pochen den die Hersteller von Homöopathika so sehr auf den Bestand der rechtlichen Sonderregelungen für homöopathische Arzneimittel, die eine Zulassung auch ohne Wirkungsnachweis ermöglichen, wenn der Wirkungsnachweis zu erbringen wäre?
Es wäre doch eigentlich nur fair gegenüber dem Patienten genau das zu tun!!!
Stattdessen dürfen hierzulande sogar Mittel zur Krebsbehandlung vertrieben werden (z.B. anthroposophische Mistelpräparate) für die dieser Nachweis nicht erbracht wurde.